Die globale Sterblichkeitsrate von COVID-19 beträgt nach meiner Auffassung aktuell 3-7%.

Wenn von 0,7-3% die Rede ist, so werden die Toten lediglich der Anzahl Infektionen gegenübergestellt, und oft auch noch „nach unten bereinigt“. Das macht bei „etablierten Krankheiten“ Sinn, ist aber schwierig bei einer neuen Krankheit, die sich so explosionsartig ausbreitet. Denn die Anzahl neuer Infektionen steigt ja überproportional, während die Anzahl Toter der Datenbasis zeitlich „hinterherläuft“ (die Krankheit dauert bis zu 6 Wochen). Man kann mit dieser Rechenweise erst im Rückblick ein realistisches Bild erreichen, wenn die Infektionsrate nicht weiter zunimmt.

Vereinfachtes Beispiel: Das ist als würde man 100 Autos mit kaputter Bremse in zunächst 1-minütigen Abständen zu einem Rennen auf Zeit starten lassen. Mit jedem gestarteten Auto verringert sich der Startabstand zwischen den Autos um 1 Sekunde. Also Auto 1 fährt los, 60 Sekunden später startet Auto 2, weitere 59 Sekunden später Auto 3…
Dann stellt man sich nach 10 Minuten (+ Streckenlänge) ans Ziel und sagt: „Toll, nur 1 Unfall bei 100 Teilnehmern!“ Problem: Das Rennen hat gerade erst begonnen, 90 Teilnehmer sind noch unterwegs. Man muss leider davon ausgehen, dass es weitere Unfälle geben wird (womöglich sogar in höherem Maße als bei den ersten 10 Teilnehmern, weil sich immer mehr Autos gleichzeitig auf der Strecke befinden, aber das ist kaum berechenbar). Eine realistische Chancenrechnung kann sich derzeit jedenfalls nur auf die beziehen, die bereits angekommen sind. Also 1 Unfall bei bisher 10 Teilnehmern im Ziel, das wären nach meiner Sichtweise 10%. Nach offizieller Rechnung sind es aber 1%. Und propagiert wird quasi: Es sind nur 0,7%, weil die ersten Fahrer oft aufgeregter sind.
Übertragen auf die offiziellen Coronavirus Zahlen: Aktuell sind weltweit 85.409 Menschen nachweislich infiziert, davon sind 2.933 (3%) bereits verstorben und 39.692 (46%) wieder geheilt. Bei 42.784 (50%) der infizierten ist der Ausgang noch offen, weil sie gerade erst diagnostiziert wurden oder die Krankheit noch andauert.
Lediglich bei 42.625 Fällen (Geheilte + Tote) hat man durch den Ausgang der Krankheit ein „absolutes Ergebnis“ (= 100%). Und dann sind 2.933 Tote nach meiner Rechnung leider erschreckende 6,9%.

Die propagierten „0,7% Sterblichkeit“ sind in meinen Augen eine fahrlässige Verharmlosung der Lage. Selbst wenn man zum Beispiel nur Italien betrachtet, kommt man aktuell auf 2,4% Letalität.

(Es bleiben natürlich erheblich viele unberechenbare Faktoren in beide Richtungen! Es kann sowohl ein „Rennabbruch“ erfolgen (z.B. durch einen Impfstoff), als auch eine Überflutung der Strecke mit unzähligen weiteren Autos. Das sind Faktoren, die kennt man noch nicht. Und selbst bei den Daten, die man bisher hat, gibt es massive Ungewissheit. Aber wenn man schon hochrechnen will, dann bitte halbwegs realistisch und transparent. Klar habe ich keine Ahnung von Medizin und der Ausbreitung von Krankheiten, aber kaufmännisch rechnen kann ich.)

Hintergrund: Nach Angaben der WHO liegt die Sterblichkeitsrate des Coronavirus bei 0,7%, dabei hat man aber die am schlimmsten betroffene Region (also auch die größte Datenbasis) einfach weggelassen. Betrachtet man nur die Region Hubei, kommt die WHO auf 2,9%, bei einer weltweiten Betrachtung sind es 3%. Letztere Zahlen werden aber öffentlich bisher kaum vermittelt.
Zum Vergleich, der ja immer so gerne gezogen wird: Die normale Grippe hat eine Sterblichkeitsrate von 0,2-0,4%. SARS-CoV-2 ist damit womöglich 7 bis 35 mal so tödlich wie Influenza! Weitere dramatische Faktoren, wie das Fehlen von Schutzausrüstung in Praxen, sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Stand der Daten: 29.02.2020, 14 Uhr.

Quellen:

https://gisanddata.maps.arcgis.com/apps/opsdashboard/index.html#/bda7594740fd40299423467b48e9ecf6

https://www.fr.de/wissen/coronavirus-sars-cov-2-hoehere-sterberate-grippe-influenza-13563575.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Letalit%C3%A4t

https://www.sciencemediacenter.de/fileadmin/user_upload/Fact_Sheets_PDF/Letalitaet_SARS-CoV-2_SMC_FactSheet_26022020.pdf