Das Bargeld ist des Deutschen liebstes Zahlungsmittel. Während beispielsweise in den Nordländern deutlich häufiger bargeldlos bezahlt wird, hängen wir an Münzen und Scheinen. Dabei hat sich im Handel in den letzten Monaten und Jahren viel getan. Mittlerweile kann selbst bei Aldi mit Kreditkarte und sogar kontaktlos mit dem Smartphone bezahlt werden. Doch selbst der Vorschlag von Finanzminister Wolfgang Schäuble, den 500-Euro-Schein abzuschaffen, hat zu großer Aufregung geführt. Aber lassen sich die digitalen Zahlungsmittel überhaupt noch aufhalten? Zukunftsforscher meinen, es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Klimpergeld aus den Taschen verschwindet.

Was spricht hier und jetzt für die Abschaffung des Bargelds und was dagegen?

Pro Bargeld

  • Bargeld ist das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel. Das bedeutet, dass es niemand ablehnen darf. Alle anderen angebotenen Zahlungsmittel des Handels beispielsweise sind quasi Serviceleistungen – so zumindest der aktuelle Stand.
  • Bargeld in der Hosentasche ist praktisch und gibt Sicherheit. Eine Spende für den Bettler auf der Straße, das Trinkgeld für Kellnerin im Café oder der 5er für den Enkel, damit er sich ein Eis holen kann – all das ist schnell erledigt, wenn man einfach nach etwas Haptischem greifen kann und es nirgendwo verbucht werden muss. Außerdem kann mit dem Schein auch dann bezahlt werden, wenn der Akku des Handys leer ist. Ein bisschen Bargeld für unterwegs gibt deshalb vielen Menschen Sicherheit.
  • Bargeld ist ein in allen Gesellschaften der Welt fest verankertes Kulturgut. Münzen und Banknoten haben für viele Menschen nicht nur den aufgedruckten Wert, sie werden sogar gesammelt. Verschwindet das Bargeld, verschwindet ein Stück Kultur.
  • Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass man eine bessere Kontrolle über seine Ausgaben hat, wenn man mit Bargeld zahlt. So sieht man wortwörtlich, wohin das Geld geht und wie sich das Portemonnaie leert. Wird alles nur von einem digitalen Konto abgebucht, verliert man schnell den Überblick über seine persönlichen Finanzen und neigt dazu mehr auszugeben. Vor allem für Kinder ist Bargeld deshalb wichtig, damit sie den Umgang mit Geld lernen können.
  • Eins der stärksten Argumente der Bargeldverfechter ist die Privatsphäre. Bargeld ist anonym. Durch bargeldlosen Zahlungsverkehr werden die Bürger folglich gläsern. Jede Ausgabe wird akribisch festgehalten. Mindestens der Zahlungsdienstleister weiß also, was wann und wo gekauft wird. So können Verbraucher- und Bewegungsprofile erstellt werden, für die manche Unternehmen viel Geld bezahlen würden. Sensible Daten, die erst einmal geschützten werden müssen – sowohl gesetzlich als auch technisch.
  • Eine Abschaffung des Bargelds führt folglich auch zu einer größeren Macht für die Banken, weil das gesamte Geldvermögen der Bürger bei ihnen liegt. Auch wenn man mehrere Konten hat ist es theoretisch leicht jederzeit zu ermitteln, über wie viel Geldvermögen eine Person verfügt. Heute ist man zumindest theoretisch nicht auf eine Bank angewiesen und kann sich alles auch unters Kopfkissen legen. Auch die Gebührenmacht der Dienstleister ist ein Risiko, denn sie werden die Konten auf Dauer sicher nicht kostenlos zur Verfügung stellen.
  • Der elektronische Zahlungsverkehr bedarf einer enormen Infrastruktur, die sicher noch ausgebaut werden müsste. Viel wichtiger aber ist es diese Infrastruktur sicher zu machen. Sicher vor Cyberangriffen, für die das System natürlich interessanter wird, wenn es alle nutzen. Sicher aber auch vor System- oder Stromausfällen. Fällt der Strom einmal aus, kann nichts mehr bezahlt werden. Probleme, auf die es bisher keine vernünftigen Lösungen gibt.
  • Wenn das gesamte Geldvermögen auf Konten liegt, steigt die Geldmenge und damit auch die Inflation. Durch Negativzinsen würde eine schleichende Enteignung der Bürger stattfinden, weil sie nun nicht mehr die Möglichkeit haben das Geld abzuheben um sich vor Negativzinsen zu schützen.
  • Experten sind sich sicher, dass die Abschaffung des Bargelds dazu führen würde, dass alternative Währungen oder Gutscheinsysteme geschaffen würden. Insbesondere natürlich auch unter Kriminellen, aber nicht nur. So würde ein Chaos aus Alternativwährungen und Edelmetallen entstehen.

Contra Bargeld

  • Die bereits positiv erwähnte Anonymität des Bargelds wird von Kriminellen natürlich auch ausgenutzt und ist damit zugleich ein Nachteil. Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung, Korruption und Geldwäsche können sich eindeutig besser verhindern oder zumindest nachvollziehen lassen, wenn jede Transaktion elektronisch erfasst werden muss. Doch da die Privatsphäre ein so enorm wichtiges Gut ist und fast alles Gute auch für Böses missbraucht werden kann, überwiegt der Schutz der Privatsphäre sicherlich. Küchenmesser werden ja auch nicht verboten, weil man damit jemanden erstechen kann. Trotzdem: Die Wirtschaftskriminalität würde eingedämmt werden!
  • Papier ist ein Auslaufmodell: Das gesamte Bargeldsystem verschlingt jedes Jahr unglaubliche Summen! Das beginnt schon bei der aufwendigen Entwicklung fälschungssicherer Scheine und Münzen und ihrem Druck. Banken und Handel müssen das Bargeld mit Spezialtransportern von A nach B transportieren. Es muss gezählt, verpackt und nach einiger Zeit wieder ausgetauscht werden. Würde dieser nicht zu vernachlässigende Kostenfaktor entfallen, würden sich möglicherweise Spielräume für Preissenkungen ergeben.
  • Bargeld ist beliebt, auch unter Dieben und Räuber. Als beliebteste Beute führt die Aussicht auf Bargeld zu Einbrüchen und weiteren Straftaten. Das betrifft sowohl Privatperson als auch Unternehmen, Vereine und (öffentliche) Institutionen. Wenn beispielsweise über Nacht kein Bargeld mehr aufbewahrt werden müsste, würde ein Teil der Sicherheitsvorkehrungen wegfallen. Niemand bräuchte mehr einen Tresor. Selbst die Bank nicht.
  • Bargeld ist unpraktisch: Die Geldbörse bläht sich durch Münzen und Scheine unnötig auf und nimmt Platz weg. Es ist unbequem auf ihr zu sitzen und häufig vergisst man sie sowieso. Ohne das Smartphone hingegen, das zum Bezahlen eigentlich ausreichen würde, verlässt kaum jemand das Haus. Ohne Bargeld würde man demnächst also deutlich weniger mit sich herumschleppen müssen und die Gefahr von Taschendiebstählen würde sinken.
  • Wenn es kein Bargeld mehr gibt, dann kann eine gezielte und effektive Geldpolitik gemacht werden. Negativzinsen der Europäischen Zentralbank wären zum Beispiel ein Anreiz für die Bürger ihr Geld verstärkt auszugeben, statt es auf dem Konto zu horten. Das kurbelt die Wirtschaft an und kann zu einer finanziellen Verbesserung der Gesellschaft führen. Da niemand sein Geld abheben kann, kann sich niemand gegen diese Politik wehren.

Es gibt viele Argumente für und gegen das Bargeld. Irgendwann, das dürfte Gewiss sein, wird die Welt ohne Münzen und Scheine auskommen. Doch realistisch betrachtet, wird das noch eine ganze Weile dauern. Vielleicht werden erst die Generationen den Schritt der endgültigen Bargeldaufgabe wagen, die damit aufgewachsen sind, ausschließlich mit einer Karte oder dem Handy zu bezahlen und Bargeld einfach nur noch belastend und nervig finden. Noch überwiegen aber die Vorteile des Bargelds – in den Köpfen und in der Realität.

Status

pro Bargeld
contra Bargeld

Wir haben insgesamt 14 Argumente zum Thema "Bargeld". Davon sind 9 positiv und 5 negativ. Bedeutet also 64% PRO zu 36% CONTRA Bargeld. Die Pro/Contra Liste Bargeld wurde am 23. Oktober 2017 aktualisiert.

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